
Touristen in Finnland sprechen selten Finnisch, vielleicht ein Moi! oder Kiitos!, aber mehr eher nicht. In den Großstädten sprechen alle Englisch, auf dem Land die meisten, besonders die jungen Leuten. Aber auch wenn Englisch fast überall eine Verkehrssprache ist, beinhaltet die Sprachenlandschaft Finnland doch noch so viel mehr!
Finnland hat zwei Amtssprachen: Finnisch und Schwedisch. Die Gemeinden sind entweder rein finnisch- schwedisch- oder zweisprachig, was sich auch im Schulsystem widerspiegelt. Jedes Schulkind lernt seit 1968 beide Sprachen, je nach Erstsprache wird die andere Sprache als Fremdsprache unterrichtet. Das zieht sich bis in die Universitäten durch. Wie viel eine Person beide Sprachen im Alltag nutzt, ist aber individuell und kommt auf den Wohnort an.
Der Anteil der finnischsprechenden Bevölkerung macht heute knapp 90% aus. In der Vergangenheit waren es wesentlich weniger, was vor allem mit der Vormachtstellung Schwedens im finnischen Raum zu tun hatte. Die schwedische Dominanz hat sich im 19. Jahrhundert mit Herausbildung der finnischen Standardsprache und Entstehung eines finnischen Nationalbewusstseins bis heute extrem verringert. Trotzdem müssen z.B. Angestellte in der öffentlichen Verwaltung über Sprachkenntnisse in beiden Sprachen verfügen.
Die Rechtsgrundlange von zweisprachigen Gemeinden ist nach Bevölkerungsanteil geregelt: Sind mindestens 8% bzw. 3000 Personen Angehörige einer sprachlichen Minderheit, gilt die Gemeinde als zweisprachig. Das betrifft besonders die Gemeinden an der südlichen Küste und im Norden des Landes.
Seit 1998 gilt in Finnland die Europäische Charta der Regional- und Minderheitensprachen, in der Finnland Jiddisch, Karelisch, Romanes, Russisch, Inarisamisch, Nordsamisch, Skoltsamisch, Schwedisch und Tatarisch unter besonderen Schutz stellt. Außerdem ist in Finnland der Gebrauch der Gebärdensprache ein in der Verfassung verankertes Recht, eine Novum in der EU.
Die Samen sind wahrscheinlich die bekannteste Minderheit in Finnland bzw. in Skandinavien. Sie stehen unter besonderem Schutz, nicht nur sprachlich, sondern auch in Bezug auf Traditionen usw. Sie besitzen eine parlamentarische Vertretung und eine Selbstverwaltung in ihrem Siedlungsgebiet. Der Schutz der samischen Sprachen, von denen einige als extrem gefährdet gelten, ist in ganz Skandinavien ein Thema.
Eine weitere sprachlichen Minderheit stellen die Russisch-Sprechenden dar, die teilweise erst nach 1990 nach Finnland zurückkehrten. Ihre Zahl wird mit ca. 50.000 angegeben. In einigen Teile des Landes wird Russisch auch als Fremdsprache angeboten, neben Englisch und Deutsch.
Kleinere Gruppen sprachlicher Minderheiten sind Roma und Tataren, deren Sprachen zwar offiziell geschützt sind, die aber kaum in der finnischen Gesellschaft sichtbar werden. Auch die Gemeinschaft der Karelisch-Sprechenden hat den Schutzstatus, sind aber kaum in Interessensverbänden organisiert und zudem noch überall verstreut. Das macht es den kleineren Gruppen schwer für ihre Sprache eine breite Unterstützung zu erhalten.
Welche Sprachen sind in deinem Land besonders geschützt?
Quellen
Meinander, Henrik. Finnlands Geschichte. Linien, Strukturen, Wendpunkte. Scoventa, Bad Vilbel 2017
Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen: https://www.coe.int/en/web/conventions/full-list?module=treaty-detail&treatynum=148









